Bitte wählen Sie den Schriftgrad "kleiner" in Ihrem Browser
Lingener Tagespost, 18.01.2008

Kritische Äußerung mit
dem Leben bezahhlt
/
August Perk aus Lohne starb
am 12. Mai 1945 an den Folgen
der Haft
Manche Bemerkungen führen
in den Tod. "Deutschland kann
den Krieg nicht gewinnen,
Russland ist zu groß", sagte
August Perk zu einer Nach-
barin in Nordhorn...

Lesen Sie weiter
Lingener Tagespost, 18.01.2008

Leidenschaftlicher Kriegs-
gegner
/
Remarque wirkte als Lehrer
in der Region
Lohne. Auf 33 Seiten hat Erich
Maria Remarque (1898 - 1970) in
dem 1931 erschienenen Roman
"Der Weg zurück" seine Zeit als
Junglehrer in Lohne autobio-
grahisch beschrieben...
Lesen Sie weiter

Wietmarschen-Lohne.
Manche Bemerkungen führen in den Tod. "Deutschland kann den Krieg
nicht gewinnen, Russland ist zu groß", sagte August Perk 1943 zu einer
Nachbarin in Nordhorn.

Die Frau denunzierte den aus Lohne stammenden Mann, der ab 1940 bei Rawe
in Nordhorn arbeitete. Die Nazis sperrten ihn ein. Perk überstand die Strapazen
der Haft nicht. Der gläubige Katholik starb am 12. Mai 1945 in einem Braunschwei-
ger Krankenhaus im Alter von 47 Jahren. Was August Perk Schreckliches als Sol-
dat im Ersten Weltkrieg erlebte, hat der weltbekannte Schriftsteller Erich Maria Re-
marque (1898 - 1970) in seinem Buch "Im Westen nichts Neues" verarbeitet. Das
Werk wurde in über 50 Sprachen übersetzt und gilt mit geschätzten Verkaufs-
zahlen zwischen 15 und 20 Millionen als eines der meistgelesenen Bücher in der
ganzen Welt. Remarque war vom 1. August 1919 bis zum 31. März 1920 Jung-
lehrer in Lohne.

Mit Perk, der damals in einer Schmiede arbeitete, traf er sich häufig. Der Lohner
berichtete dem Lehrer stundenlang von seinen Kriegserlebnissen. Perk galt als
eigenwillig und eigenbrötlerisch. Sein Name steht auf einer Plakette im Krieger-
ehrenmal, die der Schützenverein Lohne am 6. Juni 2006 anbrachte.

Hermann Nüsse, SPD-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat Wietmarschen,
setzt sich seit längerem dafür ein, dass in Lohne eine Straße nach August Perk
benannt wird. Ggenüber unserer Zeitung erklärte Nüsse zur Begründung: "Meines
Wissens ist August Perk der einzige Bürger aus Lohne, der Widerstand im Drit-
ten Reich leistete." In der Ratssitzung im Dezember beantragte Nüsse, dass eine
Straße im neuen Baugebiet Schafweg den Namen August Perks tragen soll. In
der Nähe des Baugebietes mit 81 Plätzen befand sich das Geburtshaus. Mit der
CDU-Mehrheit wurde der Antrag abgelehnt. Stattdessen werden die Straßen nach
heimischen Wildtieren benannt, und zwar Fuchsweg, Iltisweg, Marderweg, Wie-
sel weg, Dachsweg und Igelweg.

Bürgermeister Alfons Eling und Ratsfrau Monika Wassermann (beide CDU) bestä-
tigen, dass in interfraktionellen Gesprächen erörtert werden soll, ob und welche
Möglichkeiten es gibt, sich an August Perk und andere Bürgerinnen und Bürger an-
gemessen zu erinnern. "Dazu sind umfangreiche Recherchen erforderlich", betonte
Eling. Es hätte keinen Sinn gemacht, aus dem Lamäng heraus eine August-Perk-
Straße zu benennen, meint Frau Wassermann. In der Ratssitzung hatte CDU-Rats-
herr Reinhold Hilbers vorgeschlagen, den Heimatverein Lohne in die Recherchen-
arbeit einzubeziehen.
Lohnes Pfarrer Reinhard Trimpe verweist darauf, dass August Perk in Lohne nicht
uneingeschränkte Zustimmung genossen habe und ein Mann mit Ecken und Kan-
ten gewesen sei. "Das war ein Franz von Assisi mit Sicherheit aber auch"...
.
Lesen Sie weiter