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Lingener Tagespost, 18.01.2008

Kritische Äußerung mit
dem Leben bezahhlt
/
August Perk aus Lohne starb
am 12. Mai 1945 an den Folgen
der Haft
Manche Bemerkungen führen
in den Tod. "Deutschland kann
den Krieg nicht gewinnen,
Russland ist zu groß", sagte
August Perk zu einer Nach-
barin in Nordhorn...

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Lingener Tagespost, 18.01.2008

Leidenschaftlicher Kriegs-
gegner
/
Remarque wirkte als Lehrer
in der Region
Lohne. Auf 33 Seiten hat Erich
Maria Remarque (1898 - 1970) in
dem 1931 erschienenen Roman
"Der Weg zurück" seine Zeit als
Junglehrer in Lohne autobio-
grahisch beschrieben...
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...meint der Pfarrer. Von der politischen Gemeinde erhofft er sich mehr Unter-
stützung bei der Aufarbeitung der Historie.

Hermann Nüsse lässt nicht locker. Er kämpft weiter dafür, dass in Lohne eine
Straße in einem Baugebiet nach August Perk benannt wird - im Verbund mit
Widerstandskämpfern bzw. Naziopfern wie Hans und Sophie Scholl, Carl von
Ossietzky, Anne Frank, Alfred Delp, Fritz Goerdeler, Erwin Rommel, Graf von
Stauffenberg, Ludwig Beck, Julius Leber und Edith Stein. Nüsse versteht nicht,
weshalb diese Gelegenheit im Baugebiet Schafweg versäumt wurde.

In Nordhorn macht ein "Stolperstein" auf August Perk aufmerksam. Durch eine
in den Bürgersteig eingebrachte Messingplatte erinnert der Kölner Künstler
Gunter Demnig in den Wohnorten an die Opfer des Nazi-Regimes.


Kommentar
Großes muss bleiben
Von Ludger Jungblut (Lingener Tagespost)

Die Gemeinde Wietmarschen hält die Tierwelt in Ehren: Zahlreiche Straßen
sind in den Baugebieten nach Vogelarten benannt. Es wird an Raubvögel wie
Bussard und Sperber genauso erinnert wie an den lieblichen Zeisig oder die
allgegenwärtige Meise. Im neuen Baugebiet Schafweg werden weitere heimi-
sche Tiere berücksichtigt. Wie schön, dass es bald einen Dachsweg geben
wird, schließlich hat diese Gattung aus der Familie der Marder in Lohne schon
seit langem einen Bau bezogen. So eine Tierwohnung kann viele Jahrzehnte
alt sein.

Der berühmte Schriftsteller Erich Maria Remarque kann da nicht mithalten. Er
wirkte nach dem Ersten Weltkrieg nur acht Monate als Junglehrer in Lohne. Die
Lohner wissen die Bedeutung von Remarque richtig zu gewichten: Es gibt zwar
eine Remarquestraße, aber daran befindet sich nur ein Haus. Wenn jetzt eine
Straße mit mehreren Häusern nach dem Nazi-Opfer August Perk benannt wor-
den wäre, hätte Remarque mit dem einen Gebäude vergleichsweise schlecht
dagestanden. Das konnte der Gemeinderat nicht zulassen. Seit viereinhalb Jah-
ren kämpft der katholische Pfarrer Reinhard Trimpe dafür, dass in Lohne die Er-
inne
rung an große Männer, die Bezug zu dem Ort haben, durch Denkmäler wach-
gehalten wird. Es handelt sich neben Remarque um den von den Nazis ermor-
deten Kaplan Hermann Lange (1912 - 1943), den Missionar Heinrich Bürschen
(1881 - 1957) und um den seliggesprochenen Bischof Nils Stensen (1638 -
1686). Bei der politischen Gemeinde ist diese Initiative aber kein Thema.

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